Was bleibt? Was kommt?

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Meinung gebildet, Haltung bewahrt

Offener Brief der Grünen Linken Hagen an Barbara Hanning

Nach über 20 Jahren in der Hagener Politik verlässt Du, liebe Barbara, an diesem Donnerstag das Geschehen. Zehn Jahre davon warst Du Sprecherin des Kreisverbands von Bündnis90/DIE GRÜNEN. Neben der vielen inhaltlichen Arbeit gehörte zu Deinen herausragenden Leistungen ohne Zweifel eine intensive Netzwerkarbeit. Damit konntest Du dem Kreisverband über viele Jahre hinweg das notwendige Gehör auf der Landes- und Bundesverbandsebene unserer Partei verschaffen und sichern. Regelmäßig saßt Du in den Präsidien auf unseren Landesparteitagen, den Landesdelegiertenkonferenzen; dadurch hast Du konstruktiv die Parteitagsregie mitbestimmt. Und mit Deiner wertvollen Arbeit im Koordinationsteam der Grünen Linken auf Bundesebene gab es auf Bundesdelegiertenkonferenzen die Weichenstellung für gute Entscheidungen. Vor Ort hast Du es vermocht die große Politik auf unseren Kreisverband herunter zu brechen und politische Fragestellungen zugespitzt in Antragsform auf die Delegiertenversammlungen mitzunehmen.

Dem grünen Grundsatz von der Trennung von Amt und Mandat bist Du treu geblieben und gabst Deine Ämter in der Partei auf, um Dich der Arbeit im Rat der Stadt Hagen zu widmen. Durch die bereits zuvor hohe Anbindung an die Fraktion übernahmst Du fortan wichtige Aufgaben, wie Mitgliedschaften im Sozial- und Integrationsausschuss sowie Polizeibeirat. Im Jahr 2014 zogst Du als Spitzenkandidatin von Bündnis90/DIE GRÜNEN in den Kommunalwahlkampf und holtest im Team achtbare 9 % bei ungleich mehr Wettbewerb als zuvor. Mit diesem Ergebnis zogen neben Dir noch weitere fünf Listenkandidat*innen in den Hagener Stadtrat ein.

Bereits während des Wahlkampfes sahst Du Dich, liebe Barbara, innerfraktionell persönlichen Anfeindungen, Neid und Missgunst ausgesetzt. Leider hast Du nach der Wahl es dann auch nicht vermocht Dich in der neuen grünen Stadtratsfraktion mit Deiner Haltung zur zukünftigen politischen Arbeit und zum konstruktiven Verhältnis der Grünen in der „Allianz“ zu CDU, FDP und HagenAktiv durchzusetzen. Du warst hier allerdings sehr wohl zu Kompromissen und externer Mediation bereit, die Dir allesamt verwehrt blieben. Der Fraktionsrest schloss Dich nach der Besetzung der städtischen Gremien aus und begab sich auf eine bisher nie dagewesene Abwärtsspirale angetrieben aus Eitelkeit, Machtbesessenheit und Inhaltslosigkeit.

Du, liebe Barbara, verbliebst, trotz mehrerer Aufforderungen von Deinem Mandat zurückzutreten, als Mitglied im Rat der Stadt Hagen und hast als einzige mit den Dir verbleibenden Mittel versucht das grüne Wahlprogramm umzusetzen. Du hast Meinung gebildet. Du hast Haltung bewahrt.

Jetzt allerdings ist für Dich die Zeit gekommen beruflich wie privat den nächsten Schritt zu gehen. Du ziehst vom eher urbanen Hagen mit Anschluss an die Metropolregion in das stark landwirtschaftlich geprägte Porta Westfalica. Hierfür wünschen wir Dir alles erdenklich Gute und bedanken uns herzlich für das Geleistete.
Peter Heppner hat zusammen mit Joachim Witt in diesem Herbst nach zwanzig Jahren einen neuen Song  eingespielt. Auf „Die Flut“ folgt nun „Was bleibt?“. Irgendwie (vielleicht nicht in allen Belangen) beschreiben beide Songs ganz gut Dein Wirken hier in Hagen. In diesem Sinne:

Wo es auch hingeht, frag dich nicht was bleibt

Was auch geschehen mag, sei dafür bereit

Das Ende der Angst und all Deiner Sorgen hast Du jetzt erreicht

Was bleibt?

Deine Linken Grünen Hagen

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1 Kommentar

  1. Barbara Hanning

    Liebe Grüne Linke Hagen,
    auf den letzten Metern wird es doch emotional. Ich danke euch für die Unterstützung, die Zusammenarbeit, den Zusammenhalt und das Vertrauen. Eines ist ganz sicher und bleibt: ohne euch hätte ich die letzten vier Jahre politisch nicht geschafft. Ihr habt mit mir zusammen Haltung bewahrt, Meinungen vertreten und das gemacht, was Demokratie ausmacht: Streiten und Ringen um Meinungen in gegenseitigem Respekt, um dann gemeindam weiterzudenken. Dafür danke ich euch von ganzem Herzen!
    Barbara

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