Grüne Linke Hagen für Deehrt-Ausbau

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Es gibt durchaus grüne Mitglieder, die eine Erweiterung der Klinik Am Deerth befürworten

Die Entscheidung der grünen Mitgliederversammlung, einer Erweiterung der Klinik Am Deerth nicht zuzustimmen, ging eine lebhafte Diskussion voraus. In der Abstimmung zeigte sich aber, dass es durchaus grüne Mitglieder gibt, die eine Erweiterung befürworten. Das freut mich, weil sich meine eigene Position und die des Netzwerkes Grüne Linke Hagen innerhalb der Grünen Hagen abbildet. Das hat deshalb für mich eine große Bedeutung, weil ich in den Gesprächen mit der BI und in den Anhörungen der Bürgerinitiative gegen „den Gefängnissneubau im Wehringhauser Wald“ viele Argumente gehört habe, die aus meiner Sicht populistisch und sinnentstellend sind.So fragte in der Ratssitzung am 31.08.17 der Sprecher der BI, ob man Hagen als Alleinstellungsmerkmal den Knast verpassen wolle, es wurde seitens der BI dargestellt, dass es „um die Zukunft unser Kinder“ ginge. Ich weiß von Menschen, die gegen die Erweiterung der Fachklinik Am Deerth unterschrieben haben, weil sie „solche Typen nicht in unserer Stadt“ haben wollen, die gesellschaftliche Aufgabe der Resozialisierung für völlig überflüssig halten und um den Wert ihrer Immobilien fürchten. Diese Haltung deckt sich nicht mit meiner, diese Argumente sind nicht meine und auch, wenn ich nicht alle Gründe aller Unterzeichner kenne, bleiben mir diese Ansichten über die Lösung gesellschaftlicher Aufgaben fremd.

Ich möchte, dass drogenabhängige Straftäter die Möglichkeit bekommen, drogenfrei zu leben. Mit ihrer Therapiewilligkeit und -fähigkeit ist das die aus meiner Sicht einzige Chance, ein Leben nicht nur ohne Drogen, sondern auch ohne die Beschaffungskriminalität führen zu können. Es gibt Menschen, die schaffen den Weg, es gibt Menschen, die schaffen ihn erst nach mehreren Anläufen und es gibt Menschen, die wollen oder schaffen (oder beides) den Weg nicht. Für alle muss es eine Lösung geben: Knast oder Maßregelvollzug.

Der Maßregelvollzug muss zwei Dinge bieten: Sinnvolle Therapie und die Sicherheit der Bevölkerung. Eines der Sicherungsmaßnahmen ist der vorgeschriebene, 5,50 m hohe Sicherheitszaun. Den sieht man, der erinnert die Wanderer auf dem Premiumwanderweg an die brutale Seite unserer Gesellschaft und er schützt gegen Ausbruch.

Ein für Grüne immer schwieriges Argument ist, dass hier wertvoller Wald zerstört und Fläche versiegelt werde. Ob hier wertvoller Wald durch die Erweiterung tatsächlich zerstört wird, oder aber eine extensiv als Schafweide genutzte Wiese bebaut wird, mündet schnell in eine ideologisch aufgeheizte Diskussion. Tatsächlich werden Gebäude errichtet und Fläche versiegelt. Das ändert eine Dachbegrünung der Gebäude nur minimal. Natürlich muss die AWO Ausgleichsflächen zur Verfügung stellen, die sind aber an anderer Stelle und nützen Am Deerth nicht wirklich. Aber für mich ist entscheidend, dass das Gelände der AWO bereits seit Jahren gehört, dass für mich die Zweckbindung klar ist und dort eben keine privaten Gebäude errichtet werden können. Es ist völlig klar und transparent, wieviele Straftäter dorthin kommen und auch, welche Straftaten sie begangen haben. Und wir wissen, dass sich diese neu zu schaffende Eingangseinrichtung in das schon existierende Behandlungs- und Klinikkonzept der AWO einfügt. Wir wissen, dass die AWO nur dort erweitern möchte und dass sie Stadt Hagen keine finanziellen Mittel und Möglichkeiten hat, die AWO komplett umzusiedeln oder zu entschädigen.

Alte Brachen als alternative Standorte ins Gespräch zu bringen, die womöglich so mit Altlasten verseucht sind, dass noch nicht einmal das Land NRW die Sanierung anpackt, verbietet sich von selbst!
Aus meiner Sicht ist also eine Diskussion um einen Alternativstandort eine Geisterdiskussion. Sie bietet denen Schutz, die keine Haltung finden wollen, sie verkennt die Tatsachen, sie lässt Spekulationen ins Kraut schießen, die von Gerüchten genährt werden und vernebelt doch die Sicht auf das, was ist: Ein Bauantrag für ein Gebäudekomplex mit einem Therapiekonzept im Wald auf einem Grundstück, dass dem Träger bereits gehört.

Der gesellschaftliche Pakt, der gilt und der uns zusammenhält, steht hier mittlerweile zur Diskussion und wird gegen die ökologischen Wert der Fläche ins Feld geführt. Als Grüne reflexhaft darauf zu reagieren, verniedlicht den Zielkonflikt. Unserer Stadtgesellschaft stünde es gut an, nicht die Diskussion zu führen, die an jeder Stelle, an der eine Forensik eröffnet wird, geführt wird. Es könnte tatsächlich ein Alleinstellungsmerkmal werden, wenn die Bürger dieser Stadt gemeinsam mit den politisch Verantwortlichen entscheiden, dass die Erweiterung der Fachklinik Am Deerth um eine Abteilung des Maßregelvollzugs eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe ist, der wir den dafür notwendigen Raum geben. Ohne Ressentiments und dumpfe Vorurteile, sondern mit dem notwendigen klaren Blick: Das Angebot für diejenigen, die ihr Leben jenseits von Drogen und Straftaten gestalten lernen wollen.

Barbara Hanning
Grüne Ratsfrau

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